Sven Foit, Geschäftfsführer ChronoFair

[uvmagazin]: Arbeitszeit ist derzeit wieder ein viel diskutiertes Thema – von Flexibilisierung bis Fachkräftemangel. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Organisation von Arbeit in Unternehmen aus?

Sven Foit: Zunächst einmal bringt die Diskussion um das Schlagwort „Wochenarbeitszeit“ Unsicherheit in die Unternehmen, da dort eine Debatte geführt wird, die eigentlich keine ist. Es gibt im Arbeitszeitgesetz bereits Regelungen, die ihnen genügend Spielräume geben. Dennoch werden Politik, Unternehmen, Gewerkschaften und Verbände nicht umhinkommen, neue Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. In Deutschland wird noch zu viel in veralteten Systemen und Denkmustern gearbeitet. Arbeit und vor allem Arbeitszeit müssen ein attraktiveres Image bekommen. Hier greift das Thema „Flexibilisierung der Arbeitszeit“: White-collar workers profitieren hier bereits von vielen Möglichkeiten. Blue-collar workers müssen diese Möglichkeiten auch erhalten. 

Körperliche Berufe sind für viele nicht per se unattraktiv, sondern die Arbeitszeiten und die nicht vorhandene Flexibilität sind ausschlaggebende Faktoren, warum sich viele für einen Bürojob entscheiden. Führen wir das Thema weiter, kommt zwangsläufig der Fachkräftemangel dazu. 

Der Großteil der schwer zu besetzenden Jobs hat eine fehlende Attraktivität im Bereich Flexibilität und Work-Life-Balance. Unternehmen, die ihre offenen Stellen besetzen wollen, müssen Konzepte zur Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeiten ausarbeiten.

[uv]magazin: Wie haben sich die Planung und Steuerung von Arbeitszeiten in der Praxis verändert?

Sven Foit: Viele Unternehmen arbeiten heutzutage noch mit Excel-Tabellen. Das heißt Planung und Steuerung findet immer noch manuell statt. Die nachkommenden, jungen Führungskräfte wollen hierfür moderne Lösungen nutzen. Der Trend geht dahin, Softwarelösungen für die Steuerung und Planung einzuführen. Das bringt in der Praxis dann vor allem erhebliche Effizienzsteigerungen und mehr Objektivität, wobei viele Prozesse erhalten bleiben können, wenn man sich, wie wir als Anbieter, stark an den Kundenbedürfnissen orientiert. Die Umstellung zu einer Software braucht Zeit, aber der Mehrwert ist erheblich. Die manuelle Planung kann mehrere Arbeitstage in Anspruch nehmen und kurzfristige Ausfälle sowie Reaktionen darauf sind hierbei noch nicht inbegriffen. 

Der Wechsel zu einer Software reduziert den Aufwand auf wenige Minuten pro Woche und liefert effizientere Reaktionsmöglichkeiten. Darüber hinaus sind die Daten und Informationen, die berücksichtigt werden müssen, immer komplexer und vielzähliger. Der Personaleinsatz bringt im Optimalfall die Wünsche und Präferenzen der Mitarbeiter in Einklang mit dem Bedarf des Unternehmens. Also gemeint ist beispielsweise ein Personaleinsatz, der sich an Daten aus einer Telefonanlage orientiert oder die Produktionsplanung und gleichzeitig die Qualifikationen der Mitarbeiter sowie deren Wünsche und Bedarfe berücksichtigt. Im Endeffekt ist dies ein Unterfangen, das nur noch mit einer Software gemeistert werden kann.

[uv]magazin: Welche Rolle können datenbasierte oder KI-gestützte Ansätze dabei spielen, Arbeitszeiten effizient zu organisieren?

Sven Foit: Bei allen Daten- und KI-Themen steht und fällt alles mit der Datenqualität. Die Kombination aus beiden Faktoren, wie wir sie bereits heute anbieten, ermöglicht eine noch bessere Effizienz und Fairness in der Organisation. Die Anzahl an Datenpunkten, die einbezogen werden kann, ist dabei riesig und umfasst Themen wie Qualifikationen, altersbedingte Einschränkungen, Produktionsdaten und vieles mehr. Die Komplexität der Daten skaliert dann exponentiell, je mehr Personen berücksichtigt werden. Der Mensch kann naturgemäß diese Datenmenge nicht mehr effizient verarbeiten und in der Planung von Arbeitszeiten beachten. Für einen KI-gestützten Ansatz mit qualitativ hochwertigen Daten stellt es kein Problem dar, effizient einen optimalen Plan vorzuschlagen. 

So wird es für Personalverantwortliche auch möglich, individuelle Wünsche von Mitarbeitern oder Vorgaben wie Job-Rotation, um die körperliche Belastung zu steuern oder ähnliches in der Planung zu berücksichtigen, was die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht und somit die Mitarbeiterbindung auch verbessert.

Das Interview führte Geraldine Klan.

Weiterführende Infos

Kontakt zur Autorin

Geraldine Klan

Referentin